Zwischen Fortbildungslast und Fortbildungslust – CME in Deutschland

Lebenslanges Lernen ist seit mehreren Jahren in vielen Berufszweigen in aller Munde. Spätestens mit Einzug der Digitalisierung wurde vielen Unternehmen aber auch Arbeitnehmern klar, dass nach dem Abschluss die Füße hochzulegen und bis zur Rente abzuarbeiten keine Option ist. Kontinuierliche weiterführende Qualifizierung ist heute ein „Must Do“.

In Deutschland fing man früh an

Im Berufszweig der Ärzte ist die Continuing Medical Education (CME), oder zu deutsch auch Ärztefortbildung, schon lange etabliert. Wussten Sie, dass im Jahr 1881 Robert Koch, Rudolf Virchow und Ernst von Bergmann ärztliche Ferienkurse zur Fortbildung anboten?1 Bereits 1935 wurde die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsmaßnahmen verpflichtend.2

Seitdem ist viel passiert und nach mehreren Zwischenschritten wurde im Jahr 2004 die Verpflichtung der Ärzte zur regelmäßigen Fortbildung mit dem Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherungen Bestandteil des Sozialgesetzbuches und somit Bundesgesetz.3  Innerhalb von fünf Jahren müssen Fachärzte den Nachweis über 250 Fortbildungspunkte erbringen: durch die Teilnahme an Präsenzveranstaltungen, klinische Fortbildungen oder mittels mediengestütztem Eigenstudium. Dies kann in einem enormen Zeit- und Organisationsaufwand für den Arzt münden.

CME – quo vadis?

Unsere m:cognito Befragungen4 unter Kardiologen, Neurologen und Allgemeinmedizinern zeigen, dass Präsenzveranstaltungen, wie z.B. Kongresse, immer noch in Führung liegen. Jedoch steigt der Anteil an Medizinern, die sich digital fortbilden möchten, kontinuierlich an. Der Grund dafür: Flexibilität. Denn eine Onlineschulung kann auch von Zuhause oder aus der Klinik absolviert werden. Die Praxis muss nicht geschlossen werden, Reisezeiten entfallen und mit dem zeitlichen Aufwand von einer knappen Stunde sind zwei CME Punkte „schnell verdient“.

Ausschnitt einer Facharztbefragung über Nutzung von Fortbildungsformaten

Wer denkt, dass CME Online-Schulungen ein langweiliges Durchklicken dröger Inhaltsfolien vom vergangenen Kongress beinhaltet, hat leider oft Recht. Aber Dank der fortschreitenden Digitalisierung und Entwicklung neuer Techniken geht es auch anders: Durch die Unterhaltungsindustrie inspirierte Techniken wie Gamification oder Augmented Reality-/ Virtual Reality-Anwendungen gelingt es uns, komplexe Inhalte wissenschaftlich korrekt, aber auch unterhaltsam aufzubereiten. Seien wir ehrlich: wenn Lernen Spaß macht, bleibt der Inhalt besser im Gedächtnis – und aus Fortbildungspflicht wird Fortbildungslust.

1 Peter Semler. Die Stellung der Kaiserin-Friedrich-Stiftung in der ärztlichen Fortbildung. Dtsch Ärztebl 1978; 75(37): 2066-207
2 Kurt Blome. Neue Richtlinien über ärztliche Fortbildung. Ärztliche Pflichtfortbildung. Dtsch Ärztebl 1935; 65 (33): 773-777
3 Sozialgesetzbuch (SGB) V, § 95d, letzter Aufruf: 20.01.2020
4 Facharztbefragung Kardiologie, beauftragt durch m:werk, 2019. Facharztbefragung Neurologie, beauftragt durch m:werk, 2018. Facharztbefragung API, beauftragt durch m:werk, 2019.

Sie möchten sich zu neuen Fortbildungsformaten inspirieren lassen? Melden Sie sich gerne – unsere Ideenschublade ist gut gefüllt.

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Über die Autorin:

Sonja Heizenreder ist Medical Director bei m:werk und löst mit ihrem Team das Versprechen des „medical content on target“ in der täglichen Kundenarbeit ein. Neben sämtlichen Feldern der Fach- und Laienkommunikation hat die Diplom Biologin eine besondere Affinität zu Themen rund um Digital Health und Medical Education.

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m:werk Healthcare Communication ist als Healthcare- und Pharma-PR-Agentur seit 2000 für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, der Medizintechnik und anderer Healthcare-relevanter Branchen tätig.

Fundament für Beratung und Maßnahmenentwicklung im Rahmen von Kommunikations- und PR-Konzepten ist die datenbasierte Methodik der empirischen Sozial- und Marktforschung. Sie wurde für kommunikative Fragestellungen in der Healthcare-PR, insbesondere des dort verorteten Marketings, adaptiert. Im Kern werden regelmäßig Facharzt- und Patientengruppen repräsentativ und detailliert über ihr aktuelles und vermutet künftiges Informations- und Kommunikationsverhalten befragt. So erhalten wir empirisch-gestützt eine aktuelle, valide, quantitative Daten-Grundlage für den zielgerichteten Budget-Einsatz und für eine präzise crossmediale Gewichtung im jeweiligen Facharzt- oder Patientensegment.

Weiter ergänzen wir diesen Daten-Pool durch qualitative Befragungen (Telefon und online) unter Meinungsbildnern, Klinikern und niedergelassenen Ärzten der verschiedenen Facharztgruppen bzw. Patienten bestimmter Indikationsbereiche.