
Rauchen ist gesundheitsschädlich und kann tödlich sein – das ist seit Jahren bekannt. Seit 2016 sind zudem Schockbilder auf Zigarettenschachteln in Deutschland Pflicht und machen die gesundheitlichen Risiken unübersehbar. Rauchen verursacht zahlreiche Erkrankungen, darunter vor allem Krebs und Krankheiten des Herz-Kreislaufsystems und der Atemwege.1,2 Nun setzt die Tabakindustrie auf ein neues Produkt, das vor allem eine junge Zielgruppe anspricht und über dessen Langzeitfolgen wir bisher noch viel zu wenig wissen.
Die verführerischen Strategien der Tabakindustrie
Aromatisch, bunt und suchterzeugend: Die Tabak- und Nikotinindustrie findet trotz bestehender Maßnahmen zur Tabakkontrolle immer wieder neue Mittel und Wege, um Konsumentinnen und Konsumeten zu gewinnen. So sind die neuen elektronischen Zigaretten (E-Zigaretten) inzwischen zum Lifestyle-Objekt geworden und bei Jugendlichen besonders beliebt. E-Zigaretten unterscheiden sich von „echten“ Zigaretten dahingehend, dass sie eine Flüssigkeit (das sogenannte Liquid) verdampfen, anstatt Tabak zu verbrennen. Die Liquids bestehen in der Regel aus Propylenglykol, Glycerin, Aromastoffen und oft auch Nikotin. Die Geräte selbst variieren stark – von Einwegprodukten bis hin zu nachfüllbaren Modellen mit einstellbarer Leistung.3
E-Zigaretten werden auf verschiedene Weisen vermarktet, oft mit digital fokussierten Methoden. Hersteller und Händler bewerben ihre Produkte entweder über eigene Websites oder auf Social-Media-Plattformen über Influencer-Marketing. Am Verkaufsort selbst – sprich Kioske, Tankstellen und Vape-Shops – finden sich ebenfalls auffällige Produktpräsentationen. Das gilt auch für die speziellen Produktdesigns: Stylische Verpackungen mit ausgefallenen Namen lassen E-Zigaretten eher als modisches Accessoire als ein süchtig machendes Nikotinprodukt mit gesundheitlichen Risiken erscheinen. Die große Vielfalt an Aromen und der bewusste Sprachgebrauch von Begriffen wie „harm reduction“ oder „smoke-free“ suggerieren ein Gefühl von Sicherheit.4
Der Schein trügt
Beim Erhitzen der Liquids können krebserregende Stoffe wie Formaldehyd, Acetaldehyd sowie zelltoxisches Acrolein entstehen, und das Vernebelungsmittel Propylenglykol kann zu Augenreizungen und Atembeschwerden führen. Mit welchen Gesundheitsschäden „Vaper“ konfrontiert werden, ist bis dato aber noch nicht absehbar, da Langzeitstudien fehlen. Ein wichtiger gesundheitlicher Risikofaktor ist außerdem das Nervengift Nikotin, das den meisten Liquids zugesetzt wird und ein sehr hohes Abhängigkeitspotenzial birgt. Beim Dampfen gelangt Nikotin über die Atemwege in die Blutbahn und führt zu erhöhtem Blutdruck, erhöhter Thromboseneigung und zur Ausschüttung von Stresshormonen. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Risiko für einen Schlaganfall.3
Warum Jugendliche besonders gefährdet sind
Junge Menschen sind sehr viel empfänglicher für Trends und zeigen ein stärkeres Nachahmungsverhalten als Erwachsene: Gruppenzwang, dem Verlangen dazuzugehören und Neugier gehören wahrscheinlich zu den häufigsten Gründen, weshalb Jugendliche zum ersten Mal zur (E-)Zigarette greifen.5 Zudem ist ein Körper, der sich noch im Wachstum befindet, besonders anfällig für die gesundheitsschädlichen Effekte des Rauchens: Die Belastung durch Nikotin kann langfristige Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns haben und führt bei Jugendlichen schneller zu einer Abhängigkeit als bei Erwachsenen.6 Der Konsum von E-Zigaretten stellt außerdem häufig nur den Einstieg dar, denn Jugendliche, die E-Zigaretten rauchen, greifen später auch häufiger zu herkömmlichen Zigaretten.7
Bedenklich und moralisch verwerflich ist, dass die Industrie bewusst die Schwächen der Jugendlichen ausnutzt, um ihre Produkte zu vermarkten. Aromen wie Alps Ice, Triple Mango und Rainbow wirken eher kindlich und harmlos und senken die Hemmschwelle für den Erstkontakt. Zudem wird in der Werbung ein verzerrtes Lifestyle-Versprechen von Freiheit und Individualität vermittelt – Werte, die im Jugendalter von besonderer Bedeutung sind. Durch solche Maßnahmen entstehen weit verbreitete Fehleinschätzungen über die Schädlichkeit und das Suchtpotenzial von E-Zigaretten.
Schluss mit der „Schokoladenüberzug“-Technik
E-Zigaretten sind kein harmloser Trend – sie sind Produkte, die gezielt junge Menschen ansprechen und dabei ernste gesundheitliche Folgen haben können. Deshalb braucht es Aufklärung und strikte politische Maßnahmen zur Regulierung.
Der diesjährige Weltnichtrauchertag am 31.Mai unter dem Motto „Helle Produkte. Dunkle Absichten. Den Reiz entlarven“ zielt darauf ab, die manipulativen Strategien der Tabak- und Nikotinindustrie aufzudecken und durch konkrete Maßnahmen die Gesundheit junger Menschen stärker zu schützen. Es wird vor allem ein Verbot von Aromen gefordert, um E-Zigaretten ihre Attraktivität zu nehmen. Besser als die WHO kann man es nicht ausdrücken: „Schluss mit der ‚Schokoladenüberzug‘-Technik“!8
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Unverbindliche AnfrageQuellen
1 https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/psyche-wohlbefinden/tabakkontrolle-deutschland-hinkt-bei-regulierung-hinterher (letzter Zugriff: 27.05.2025).
2 https://gesund.bund.de/rauchen (letzter Zugriff: 27.05.2025).
3 https://www.bfr.bund.de/cm/343/e-zigaretten-alles-andere-als-harmlos.pdf (letzter Zugriff: 27.05.2025).
4 https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-2445-4286.pdf (letzter Zugriff: 27.05.2025).
5 https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/nikotinsucht/ursachen/ (letzter Zugriff: 27.05.2025).
6 https://www.zeit.de/gesundheit/2023-02/rauchen-jugend-nikotin-sucht-anil-batra (letzter Zugriff: 27.05.2025).
7 https://www.aerzteblatt.de/archiv/e-zigaretten-und-der-einstieg-in-den-konsum-konventioneller-zigaretten-e7e4b50c-a103-4c6a-a8b8-a69f3092ecbc (letzter Zugriff: 27.05.2025).
8 https://www-who-int.translate.goog/campaigns/world-no-tobacco-day/2025?_x_tr_sl=en&_x_tr_tl=de&_x_tr_hl=de&_x_tr_pto=rq (letzter Zugriff: 27.05.2025).
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