Apps auf Rezept?!

By 4. Dezember 2019Allgemein, Consulting, Digital

Im Zeitalter des Smartphones sind digitale Anwendungen oder kurz Apps kleine und manchmal auch große Helfer im alltäglichen Leben. Von der Einkaufsliste über Bank-Anwendungen hin zu den sozialen Medien. Apps begleiten einen Großteil unseres Lebens – es liegt also nahe sie auch in der medizinischen Versorgung zu integrieren.

Das sieht die Bundesregierung ganz genauso und hat deshalb am 07.11.19 „Digital-Versorgung-Gesetz“ (DVG) verabschiedet. Dieses ermöglicht unter anderem ab 2020 Apps auf Rezept vom Arzt und auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse verschreiben zu lassen. Doch worin liegen hier die Chancen und Herausforderungen, und was hat das Ganze überhaupt mit Healthcare Communication zu tun?

Bevor wir anfangen noch eine kurze Definition der Begrifflichkeit von „Gesundheits-Apps“. Hier unterscheidet man in zwei Arten: einerseits in Apps, die dem allgemeinen Wohlbefinden des Patienten dienen, beispielsweise Anwendungen zur Meditation oder zu Sport. Auf der anderen Seite stehen die Gesundheits-Apps die rechtlich als Medizinprodukt gelten, grundsätzlich müssen diese Anwendungen dann der Diagnose und / oder der Therapie dienen.1 Das DVG sieht vor Apps als Medizinprodukte zuzulassen. Anwendungen sind zum Beispiel in Überwachung von Blutzuckerwerten oder als Unterstützung bei psychischen Problemen zu sehen.

Chancen und Herausforderungen von medizinischen Apps – noch unbeleuchtetes Terrain?

Nicht ganz, ein Exkurs in die Vergangenheit zeigt: 2016 wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit die Studie „CHARISMHA“ erstellt, eine Evaluation der Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps, sowohl als Medizinprodukt als auch als „Wellness“-Anwendung.

Hier wurden bereits verschiedene Chancen identifiziert, zum Beispiel das Potenzial für steigende Versorgungsqualität und Kosteneinsparungen, aber es wird auch kritisiert, dass es für den Langzeitnutzen von Gesundheits-Apps nur wenige und kaum vergleichbare Studien gibt. Auch Risiken wie Datenschutz, Fehlgebrauch und Fehldiagnosen wurden hier herausgestellt und verschiedene Maßnahmen beleuchtet, um diese zu minimieren. Außerdem haben Apps als Medizinprodukt im speziellen die Herausforderung, dass sie wie alle anderen Medizinprodukte in Risikoklassen eingestuft werden. Es wird herausgestellt, wenn die Einstufung in eine Klasse mit potenziellem Risiko erfolgt, bedarf die App weiterer Prüfung durch eine unabhängige Stelle.

 

Alles schön und gut, aber auch schon eine Weile her – wo stehen wir heute?

Mit der Verabschiedung des DVG Anfang November 2019 tritt folgendes Szenario in Kraft: Apps können vom Arzt verschrieben werden, nachdem das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Anwendung auf Datenschutz, Funktionalität und Datensicherheit geprüft hat. Sind diese Kriterien zufriedenstellend erfüllt und die Anwendung in eine niedrige Risikoklasse eingestuft, kann die App für 12 Monate auf Kosten der gesetzlichen Krankenkasse vom Arzt verschrieben werden. In diesem Jahr muss der Hersteller – wenn nicht bereits geschehen – einen Nachweis erbringen, dass die App die Versorgung des Patienten verbessert. Die jeweiligen Erlöse verhandeln die Hersteller wie auch bei anderen Medizinprodukten mit dem GKV-Spitzenverband.2
Auch wenn die meisten Gesundheitsexperten sich einig sind, dass digitale Innovationen der Weg der Zukunft sind. Trotzdem sehen sie in dem aktuellen DVG einige Schwierigkeiten, besonders in Bezug auf die Zulassung ohne den Nachweis, dass die Apps dem Patienten tatsächlich Mehrwert bieten.3

 

Und wo (und wie) kommt nun die Healthcare Communication ins Spiel?

Ganz vorn, und bei der Programmierung und Entwicklung der Apps. Es gibt keine Einschränkungen wer die Gesundheits-Apps programmieren darf, Krankenkassen und Pharma-Unternehmen sind also genauso denkbar wie unabhängige Start-Ups oder die Einzelperson zu Hause von der Couch aus.

Daher können die Firmen der Gesundheitsbranchen die Möglichkeit nutzen und ihr Portfolio erweitern.

Krankenkassen können ihren Service ausbauen, auch speziell auf verschiedene Indikationen, und so weiteren Mehrwert für ihre Kunden schaffen. Für Pharma-Unternehmen wäre es auch denkbar zum Beispiel begleitend zu ihren Produkten eine App zur richtigen Anwendung einfach beim Arzt mitverschreiben zu lassen. Aber auch allgemein unterstützende Apps zum Beispiel in Form eines Sport- oder Ernährungscoaches oder eine Unterstützung zur Diagnostik sind denkbar.4 Apps könnten damit auch eine weitere Möglichkeit sein, die Marke zu stärken und Kunden vom Unternehmen zu überzeugen.

Sie sind neugierig geworden und möchten mehr zum Thema Gesundheits-App’s erfahren? Sprechen Sie uns gerne an.

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Über die Autorin:

Tina Berger hat dieses Jahr als Consultant bei m:werk angefangen. Vorher hat sie International Business mit besonderem Fokus auf Marketing und Business Strategy studiert. Bei m:werk sammelt sie erste Erfahrungen in der Healthcare-Welt und fasst Fuß in der Agenturlandschaft.

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m:werk Healthcare Communication ist als Healthcare- und Pharma-PR-Agentur seit 2000 für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, der Medizintechnik und anderer Healthcare-relevanter Branchen tätig.

Fundament für Beratung und Maßnahmenentwicklung im Rahmen von Kommunikations- und PR-Konzepten ist die datenbasierte Methodik der empirischen Sozial- und Marktforschung. Sie wurde für kommunikative Fragestellungen in der Healthcare-PR, insbesondere des dort verorteten Marketings, adaptiert. Im Kern werden regelmäßig Facharzt- und Patientengruppen repräsentativ und detailliert über ihr aktuelles und vermutet künftiges Informations- und Kommunikationsverhalten befragt. So erhalten wir empirisch-gestützt eine aktuelle, valide, quantitative Daten-Grundlage für den zielgerichteten Budget-Einsatz und für eine präzise crossmediale Gewichtung im jeweiligen Facharzt- oder Patientensegment.

Weiter ergänzen wir diesen Daten-Pool durch qualitative Befragungen (Telefon und online) unter Meinungsbildnern, Klinikern und niedergelassenen Ärzten der verschiedenen Facharztgruppen bzw. Patienten bestimmter Indikationsbereiche.