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Die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in der Corona-Pandemie – Teil 1

Von 16. Februar 2022Allgemein, Consulting

Die Anzahl an krankheitsassoziierten Todesfällen durch Krebs wird im Jahr 2030 voraussichtlich die der koronaren Herzerkrankungen überholt haben.1 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Krebsforschung arbeiten permanent daran, Diagnostik- und Behandlungsstrategien für Krebspatientinnen und -patienten voranzutreiben und dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Das ist auch der Bevölkerung sehr wichtig. Laut einer Umfrage von Amgen „wird der Forschungsbedarf bei Krebs im Vergleich zu schweren Viruserkrankungen wie COVID-19 (66 Prozent) und zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen (53 Prozent) [von der Bevölkerung] deutlich höher eingestuft.“2

Während meiner Promotion beschäftigte ich mich mit Therapieresistenzen im Pankreaskarzinom. Das ist eine Tumorart, bei der Betroffene ein sehr geringes 5-Jahres-Überleben von etwa 7 % haben. Diese negative Prognose hat mehrere Gründe, unter anderem:

    • Durch die unspezifischen Symptome der Tumorentität wird eine Diagnose erst im fortgeschrittenen Stadium gestellt.
    • Außerdem sind Pankreaskarzinome resistent gegenüber fast allen Behandlungsstrategien und Patientinnen und Patienten können nur in frühen Stadien operiert werden.3

Die Forschung läuft weiter – und die Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten?

In meiner Forschung adressierte ich in Zellkulturmodellen die Überwindung von Therapieresistenzen, vorrangig gegenüber Strahlen- oder Chemotherapie. Dazu behandelte ich u. a. speziell kultivierte Zellen mit verschiedenen Substanzen und bestrahlte sie danach. Am Ende wertete ich das Zellüberleben aus.

Mit dem Beginn der Pandemie änderte sich mein Arbeitsalltag komplett: detaillierte Zeitplanung für die Experimente (um Kontakte im Labor mit Kolleginnen und Kollegen zu verringern), viel Daten auswerten und schreiben im Homeoffice (was Vor- und Nachteile hat, auch hierüber haben wir schon mehrfach gebloggt) und der Austausch mit meinem Doktorvater fand nur noch über Skype statt. Doch trotz allem konnte ich meine Zellen immer so vorbereiten, wie es in diese neue Realität passte und meine Promotion in Pandemiezeiten beenden.

Faktor Zeit bei Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten

Was aber passiert mit allen Krebspatientinnen und -patienten, wenn von heute auf morgen unsere Welt Kopf steht und wir uns in einer Pandemie wiederfinden? Wir haben alle mitbekommen, dass Krankenhäuser und Praxen überlaufen sind. An COVID-19 Erkrankte müssen getestet und versorgt werden. Ich habe mich auch gefragt, was passiert, wenn Patientinnen und Patienten Beschwerden ignorieren. Zum Beispiel aus Angst sich bei einem Praxisbesuch zu infizieren. Bleiben Krebserkrankungen möglicherweise unentdeckt? Welche Folgen hat es für Krebspatientinnen und -patienten, bereits geplante Behandlungen oder Nachsorgetermine nicht wahrnehmen zu können?

Gerade die Belegung der Intensivbetten in den Krankenhäusern durch Intensivpflege von an COVID-19 Erkrankten war ja extrem ausgelastet. Planbare Operationen von Patientinnen und Patienten, die in den meisten Fällen im Anschluss Intensivbetten benötigen, wurden also aufgeschoben. Wie ich anfangs erwähnt habe, spielt gerade bei Pankreaskarzinompatientinnen und -patienten Zeit eine kritische Rolle.

Die Deutsche Krebshilfe sagt voraus, dass Krebspatientinnen und -patienten mit einer schlechteren Chance auf Heilung rechnen müssen.4 Die Hintergründe und wie Betroffene alternativ behandelt werden können, wenn OPs abgesagt werden müssen, berichte ich im nächsten Teil.

1 Dagenais, Gilles R., et al. „Variations in common diseases, hospital admissions, and deaths in middle-aged adults in 21 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study.“ The Lancet 395.10226 (2020): 785-794. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(19)32007-0
2 https://www.amgen.de/medien/news/525/hohe-erwartungen-in-krebsforschung/
3 Kleeff, J., Korc, M., Apte, M. et al. Pancreatic cancer. Nat Rev Dis Primers 2, 16022 (2016). https://doi.org/10.1038/nrdp.2016.22
4 https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/deutsche-krebshilfe-todesfaelle-corona-pandemie-100.html

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Über die Autorin:

Dr. Josephine Görte ist Junior Medical Consultant bei m:werk. Während ihrer Promotion erforschte sie molekulare Targetingstrategien in Kombination mit Bestrahlung in Pankreaskarzinomzellen. Die Kommunikation von Erkenntnissen und Entwicklungen aus Wissenschaft und Gesundheitsforschung war für sie schon immer spannend. Neu bei m:werk darf sie nun selbst mitwirken.

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m:werk Healthcare Communication ist als Healthcare- und Pharma-PR-Agentur seit 2000 für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, der Medizintechnik und anderer Healthcare-relevanter Branchen tätig.

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