Patientenzentrierung – der Weg zum Gesundheitssystem 2.0

By 21. Januar 2020Allgemein, Digital

Dass der Patient immer weiter in den Fokus des Gesundheitssystems rückt, ist keine News. Seit Jahren lässt sich beobachten, wie sich Gesundheitsleistungen immer weiter am Bedarf, Bedürfnissen und Präferenzen des Patienten orientieren. Langsam, aber unaufhaltsam etabliert sich der Patient als Zentrum des Gesundheitswesens. Dies ist keine kleine Veränderung, sondern kann wohl als Paradigmenwechsel bewertet werden.

Die Digitalisierung – ein Schritt zu mehr Vernetzung

Begünstigt wird diese Entwicklung mitunter durch die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Auf der anderen Seite hängt es allerdings auch gerade an diesem Prozess. Das Ziel der Digitalisierung des Gesundheitswesens ist eine verbesserte Vernetzung der einzelnen Akteure – Patient, behandelnde Ärzte, Krankenkasse, etc. – und ein vereinfachter Austausch miteinander. Oder wie es das Bundeministerium für Gesundheit ausdrückt: „Sie [die digitalen Technologien] ermöglichen eine bessere und effizientere Versorgung und einen breiteren Zugang zu medizinischer Expertise insbesondere auch in ländlichen Regionen“.

Die ePA – ein Kernstück der Digitalisierung des Gesundheitswesens

Die elektronische Patientenakte – oder kurz ePA – ist ein zentrales Vorhaben für ein besseres und vor allem digitaleres Schnittstellenmanagement. Hierbei geht es darum, alle Informationen zu einem Patienten wie Befunde, Diagnosen, Therapiemaßnahmen und Medikationspläne, Impfungen etc. an einem zentralen Ort zu bündeln, um so sicherzustellen, dass keine Untersuchungen doppelt vorgenommen werden oder unerwünschte Wechselwirkungen zwischen Medikamenten noch sicherer ausgeschlossen werden können. Ermöglicht wurde dieser richtungsweisende Vorstoß durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz – kurz TSVG – das vom Bundestag im März 2019 beschlossen wurde. Geplant ist, dass ab 2021 allen gesetzlich Versicherten eine elektronische Patientenakte zur Verfügung gestellt werden kann, auf die nicht nur die behandelnden Ärzte, sondern auch jeder Patient selbst Zugriff hat. So hat auch der Patient zu jeder Zeit die volle Einsicht in alle erhobenen Auswertungen sowie vorgenommenen Impfungen und verschriebenen Medikamenten. Uneingeschränkte Transparenz.

Die Apps – von wachsender Relevanz auch für das Gesundheitswesen

Neben dem offiziellen Mammutprojekt der Einführung der ePA gibt es zahlreiche nischigere Beispiele dafür, wie sich Gesundheitsleistungen zunehmend am Patienten ausrichten. Mit Gesundheitsapps beispielsweise kann man heutzutage jeden Aspekt der Gesundheit in der einen oder anderen Form tracken oder optimieren. Während sich viele dieser Apps am Präventionsgedanken ausrichten, steigt nichtsdestotrotz die Anzahl der Apps, die sich an Patienten mit spezifischen Krankheiten richten – vor allem chronischen – beständig an. Der chronische Patient kann sich informieren, seinen Alltag anhand von beispielsweise Tagebuchfunktionen dokumentieren, Arzttermine vorbereiten oder sich im Idealfall mit anderen Betroffenen austauschen. Anfang November 2019 wurde zudem das „Gesetz für eine bessere Versorgung durch Digitalisierung und Innovation“ (Digitale-Versorgung-Gesetz oder kurz DVG) verabschiedet, welches es dem Arzt ermöglicht, gewisse Apps auf Rezept zu verschreiben. Mehr zu diesem Thema finden Sie auch in unserem Blogbeitrag „Apps auf Rezept?!“. Aktives Gesundheitsmanagement.

Das Zentrum – mehr Verpflichtung als Möglichkeit?

Die Konsequenz ist, dass viele Patienten heutzutage besser informiert sind als noch vor wenigen Jahren. Sie belesen sich über Symptome und kennen im Zweifel die unterschiedlichen Therapieoptionen für ihre Erkrankung. Oder beugen gezielter vor, wenn sie über bestimmte Risikofaktoren aufgeklärt sind. An dieser Stelle wird häufig mahnend eingeworfen, dass der Patient nicht auf sich selbst gestellt sein darf. Dass man ihm nicht zumuten kann, alleine mit der Informationsflut klarzukommen. Dass man ihn schützen müsse. Auch was die Verwendung der Daten anbelangt. Und selbstverständlich sind das alles valide und wichtige Hinweise. Gleichzeitig lenkt es aber auch slightly von der eigentlichen Essenz des Prozesses der zunehmenden Zentrierung des Gesundheitswesens auf den Patienten ab: Nämlich (wie eingangs bereits beschrieben), dass sich alles Wirken – also des gesamten Gesundheitswesens inklusive Unternehmen, Organisationen, Ärzten, Krankenkassen, Verbänden, etc. – immer weiter am Bedarf, den Bedürfnissen und Präferenzen des Patienten orientiert. Patientenzentrierter Diskurs.

Wer sich jetzt fragt, wie sich diese Entwicklung zukünftig fortsetzen wird, dem sei der Sammelband Die Zukunft der Medizin: Disruptive Innovationen revolutionieren Medizin und Gesundheit von Erwin Böttinger, Professor für Digital Health und Personalized Medicine des Digital Health Center am Hasso-Plattner-Institut, empfohlen.

Wenn Sie mehr über m:werk erfahren möchten, sprechen Sie uns gerne jederzeit an.

Unverbindliche Anfrage

Über die Autorin:

Stephanie Brandt ist Account Director bei m:werk. Nach Stationen bei global agierenden (Netzwerk-)Agenturen, fokussiert sie sich nun auf den deutschen Gesundheitsmarkt und die Entwicklung des Teams am Berliner Standort, der im September 2018 neu eröffnet wurde. Freigeist mit humanistischen Einflüssen: Studium der Literaturwissenschaften, Philosophie und Kunstgeschichte.

Haben Sie Fragen zum Artikel?

Sprechen Sie uns gerne an!

m:werk Healthcare Communication ist als Healthcare- und Pharma-PR-Agentur seit 2000 für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, der Medizintechnik und anderer Healthcare-relevanter Branchen tätig.

Fundament für Beratung und Maßnahmenentwicklung im Rahmen von Kommunikations- und PR-Konzepten ist die datenbasierte Methodik der empirischen Sozial- und Marktforschung. Sie wurde für kommunikative Fragestellungen in der Healthcare-PR, insbesondere des dort verorteten Marketings, adaptiert. Im Kern werden regelmäßig Facharzt- und Patientengruppen repräsentativ und detailliert über ihr aktuelles und vermutet künftiges Informations- und Kommunikationsverhalten befragt. So erhalten wir empirisch-gestützt eine aktuelle, valide, quantitative Daten-Grundlage für den zielgerichteten Budget-Einsatz und für eine präzise crossmediale Gewichtung im jeweiligen Facharzt- oder Patientensegment.

Weiter ergänzen wir diesen Daten-Pool durch qualitative Befragungen (Telefon und online) unter Meinungsbildnern, Klinikern und niedergelassenen Ärzten der verschiedenen Facharztgruppen bzw. Patienten bestimmter Indikationsbereiche.