Guter Dampf – Böser Dampf – Ja was denn nun?

By 8. Januar 2020Allgemein

Obwohl es die E-Zigarette seit über einem Jahrzehnt gibt1, lief die Debatte erst 2019 zur Höchstform auf. Denn die E-Zigarette boomt und gleichzeitig sorgte die Meldung zu den ersten Todesopfern in den USA weltweit für Schlagzeilen und heftige Debatten. Aber wie schädlich ist Vaping denn nun? Über diese Frage werden Experten und Fachgesellschaften wohl noch einige Zeit diskutieren, Belege vorlegen und möglicherweise wieder entkräften. Dies lehrt uns zumindest das Beispiel aus den USA.

Rückblick: Schlagzeilen aus den USA.

„Lungenkranke und Tote durch E-Zigarette in den USA.“ So oder so ähnlich lautet die Meldung, die seit den Sommermonaten 2019 durch die Medien zieht. Alles fing damit an, dass bei einigen Patienten schwere Lungenprobleme festgestellt wurden und die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention) keine schlüssigen Beweise für eine Infektionskrankheit fand und stattdessen eine Verbindung mit der Nutzung von E-Zigaretten herstellte.2 Im Oktober 2019s betrug laut CDC die Zahl gemeldeter Patienten mit akuter Lungenschädigung 1.604 von denen 34 bereits tödlich geendet waren. Aber die genaue Ursache, was die als „e-cigarette, or vaping, product use–associated lung injury“ (EVALI) verursacht hatte, blieb noch wochenlang ungeklärt. Im August 2019 wurde Bronchialsekret von 29 EVALI-Patienten genauer untersucht und das gab Aufschluss. Mittels Isotopenanalyse durch Massenspektrometrie konnte bei allen Patienten ein spezifisches Toxin identifiziert werden: Tocopherolacetat.4 Andere bedenkliche Verdünnungsmittel und Zusatzstoffe wurden nicht nachgewiesen. 4 THC oder Nikotin wurden in 23 bzw. 16 Proben nachgewiesen.4 Die FDA betont, dass weitere Untersuchung nötig seien – insbesondere ein Vergleich mit Probenmaterial von gesunden Probanden, um einen kausalen Zusammenhang zwischen der Inhalation von Tocopherolacetat und EVALI zu bestätigen.4

Warnung vor THC-haltigen Produkten – insbesondere vom Schwarzmarkt4

Tocopherolacetat ist ein Vitamin E-Derivat, das in Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik verwendet wird. Als unbedenklich gilt Tocopherolacetat bei der topischen Anwendung * und bei der oralen Aufnahme, da das Derivat langsam resorbiert und in Vitamin E umgewandelt wird. Aber zur toxischen Wirkung bei Inhalation war bis dato wenig bekannt. In den USA wird das Derivat häufig als Verdickungsmittel für Tetrahydrocannabinol (THC) verwendet. Von 867 der EVALI-Patienten gaben 86 % an, etwa 3 Monate vor dem Auftreten der ersten Symptome THC-haltige Produkte konsumiert zu haben. Vitamin E-Azetat ist das wahrscheinlichste Toxin, dass in Verbindung mit E-Zigaretten und Vaping laut CDC identifiziert wurde. Nikotin und auch THC können ausgeschlossen werden, da die Erkrankung sonst auch bei Rauchern oder bei der Inhalation von THC hätte auftreten müssen. Ob es neben Tocopherolacetat weitere Substanzen gibt, die durch den Konsum zu Lungenschäden führen, kann laut FDA aktuell nicht ausgeschlossen werden. Die CDC empfiehlt jedoch generell keine E-Zigaretten oder Vaping-Produkte zu verwenden, die THC enthalten, insbesondere, wenn Produktzutaten unbekannt sind, wie es der Fall ist, wenn man sie vom illegalen Markt bezieht.

*Anwendung auf der Haut

Chance für wollende Nichtraucher

Teilnehmer der 2. Fachtagung „E-Zigaretten und ihre Bedeutung für die Rauchentwöhnung“ an der Frankfurt University of Applied Sciences (FUAS) im Oktober 2019 konstatieren der E-Zigarette großes Potential für die Gesundheitspolitik und die Rauchentwöhnung.5 Unter den Teilnehmern waren das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). 5 Bestätigung kommt auch aus Großbritannien. Das UK Centre for Tobacco and Alcohol Studies (UKCRC) verweist auf den Bericht „Nicotine without Smoke“ des Royal College of Physicians von 2016 und nachfolgende Untersuchungen, die darlegen, dass E-Zigaretten weitaus weniger schädlich sind als das Zigarettenrauchen und dass Raucher, denen die Entwöhnung schwer fällt, ermutigt werden sollen, E-Zigaretten zu verwenden.6 Die Studie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Gesundheitsgefährdung durch die langfristige Dampfinhalation der heute erhältlichen E-Zigaretten 5 % der Schäden durch Rauchtabak nicht übersteigen dürfte.7

Risiko für junge Nieraucher8

Fragt man jedoch die European Respiratory Society, dann sind E-Zigaretten Tabakzigaretten gleich zu stellen denn „die menschliche Lunge ist dazu gemacht, saubere Luft zu atmen und nicht reduzierte Mengen an Toxinen und Karzinogenen“ (Zitat übersetzt aus dem ERS-Positionspaper). Dass E-Zigaretten wirksam als Hilfsmittel für eine Reduktion des Tabakkonsums oder für den Rauchstopp eingesetzt werden können, sei bisher wissenschaftlich nicht belegt. Außerdem erleichtern E-Zigaretten als Life-Style-Produkt den Einstieg in das Tabakrauchen und die Nikotinabhängigkeit für Jugendliche und könnte zu einem positiven Image des Rauchens beitragen.

Guter Dampf oder böser Dampf? Kommt drauf an!

Es gibt noch viele Vor- und/oder Nachteile für Raucher, wollende Nichtraucher, ehemalige Nieraucher und natürlich die nie-ganz-freiwilligen Passivraucher, die in diesem Beitrag viel zu kurz gekommen sind. Ich hoffe jedoch, dass die ausgewählten Beispiele einen kurzen Einblick geben, warum es nicht einfach ist E-Zigaretten grundlegend zu verteufeln oder zu empfehlen. Entscheidend ist der Blickwinkel aus dem man sie betrachtet und wie genau Mediziner, Forscher und Gesundheitsbehörden über einen längeren Zeitraum hinschauen. Persönlich ist mir wichtig, dass wir eins nicht vergessen: Rauchen ist und bleibt eine Suchtkrankheit – es ist wichtig, Menschen mit Suchterkrankung beim Ausstieg zu unterstützen und Menschen ohne Suchterkrankung den Einstieg so schwer wie möglich zu machen.

1 Europäisches Patentamt (2005): An Aerosol Electronic Cigarette. EP 1 736 065 A1. 2005
2 Centers for Disease Control and Prevention Website. Verfügbar unter: https://www.cdc.gov/tobacco/basic_information/e-cigarettes/severe-lung-disease.html. Stand 12.12.2019. Abgerufen am: 16.12.2019.
3 Moritz ED, Zapata LB, Lekiachvili A, et al. Update: Characteristics of Patients in a National Outbreak of E-cigarette, or Vaping, Product Use–Associated Lung Injuries — United States, October 2019. MMWR
Morb Mortal Wkly Rep 2019;68:985–989.
4 Blount BC, Karwowski MP, Morel-Espinosa M, et al. Evaluation of Bronchoalveolar Lavage Fluid from Patients in an Outbreak of E-cigarette, or Vaping, Product Use–Associated Lung Injury — 10 States, August–October 2019. MMWR Morb Mortal Wkly Rep 2019;68:1040-1041.
5 Presseportal zur 2. Fachtagung „E-Zigaretten und ihre Bedeutung für Rauchentwöhnung/-reduktion und Public Health“ am 10. Oktober 2019 in Frankfurt/Main.
6 UKCTAS Presseinformation vom 26. Oktober 2016. Verfügbar unter: https://ukctas.net/pdfs/UKCTAS-PR-WHO_E-cigs.pdf. Abgerufen am 16.12.2019.
7 Royal College of Physicians. Nicotine without smoke: Tobacco harm reduction. London: RCP, 2016.
8 ERS Position Paper onTobacco Harm Reduction. Mai 2019. Verfügbar unter: https://ers.app.box.com/v/ERSTCC-Harm-Reduction-Position. Abgerufen am: 16.12.2019.

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Über die Autorin:

Gudrun Krumm ist Medical Consultant bei m:werk und für die strategische und inhaltliche Projektarbeit im Bereich RX und OTC verantwortlich. Vor ihrer Zeit bei m:werk hat die Diplombiologin im Bereich Tumorstoffwechsel geforscht. Mit dem Eintritt ins Medical Consulting hat sie ihre Neugier für medizinisch-wissenschaftliche Themen zur Passion gemacht.

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