Die Heilkräfte der Kunst – 100 Jahre Joseph Beuys (1921 – 1986)

Von 27. Oktober 2021Agentur, Allgemein

Wer kennt sie nicht, die Objekte von Joseph Beuys aus Filz, Fett oder Honig. Objekte wie der Fettstuhl (1963), die Honigpumpe (Dokumenta Kassel 1977) oder den Filzanzug (1970) machten Beuys weltweit zu einem der bedeutendsten Aktionskünstler des 20. Jahrhunderts.

Joseph Heinrich Beuys wurde am 12. Mai 1921 in Krefeld geboren. Schon in der Grundschule entdeckte er seine Vorliebe fürs Zeichnen, aber auch eine Begabung für Geschichte, Mythologie, Sozial- und Naturwissenschaften. Beuys verfolgte die Absicht Medizin zu studieren, meldete sich aber 1941 freiwillig bei der deutschen Luftwaffe.

Nach seiner eigenen Darstellung von 1979 veränderte ein zentrales Ereignis den Verlauf von Beuys‘ Leben im März 1944, als sein Kampfflugzeug über der Krimfront in der Ukraine abgeschossen wurde. Beuys behauptet, er sei von einem Nomadenstamm der Tataren gerettet worden, die ihm offenbar das Leben retteten, indem sie seinen zerschundenen Körper mit Tierfett einrieben und ihn anschließend in Filz einwickelten, um seine Temperatur zu erhöhen.1 Durch diese Legende bekommen die Materialien, die er in seinen Kunstwerken verwendet, eine heilende Bedeutung – Tierfett wärmt und heilt Wunden und Filz speichert die Wärme.

Nach dem Krieg wandte sich Beuys der Kunst zu und studierte von 1947 bis 1953 an der Kunstakademie in Düsseldorf und übernahm 1961 die Professur für Bildhauerei an der Düsseldorfer Akademie. Im Umfeld der Fluxus-Bewegung begann er in den folgenden Jahren, seine Aktionskunst zu entwickeln, in der bis dato kunstfremde Materialien wie Kupfer, Fett, Filz und Honig Verwendung fanden.2

Auf der Suche nach dem Heil – Joseph Beuys und die Medizin

Dr. med. Axel Hinrich Murken (*1937), ein deutscher Arzt, Medizin- und Kunsthistoriker, schreibt 1972 im Ärzteblatt: „Die ungewohnte Drastik dieser Materialien, die auf den ersten Blick so vehement abschrecken, erschwert den Zugang zum Werk von Beuys, weil sie die romantische Grundströmung verdeckt. Ähnlich wie die Romantiker des 19. Jahrhunderts will dieser zeitgenössische Künstler das Leiden, das Kranksein und das Tote als Positiva menschlicher Existenz ins Bewusstsein heben und zugleich deren Ästhetik visualisieren.“3

Über Jahre beschäftigten sich Beuys und Dr. Axel Hinrich Murken gemeinsam mit der Frage nach den Heilkräften der Kunst. 1979 erscheint das Buch von Dr. Axel Hinrich Murken „Beuys und die Medizin“ im Design eines Arztkoffers. Diese Publikation gilt als eine der frühesten wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit der Gedankenwelt von Beuys. Murken rückt wesentliche Aspekte im Beuys’schen Werk in den Fokus: Medizin, Heilkunst, Schamanismus, und damit auch Schmerz, Leiden und Tod.4

Relikte aus der Welt der Heilkunde

Tatsächlich tauchen in der Beuys’schen Objektwelt die verschiedensten ärztlichen Gerätschaften auf: Abgestandene Tinkturen, weggeworfene Pflaster, angebrochene Tablettenröhrchen, ausgeleierte Spritzen, alte Röntgenaufnahmen und sogar medizinische Lehrbücher. In der Regel sind sie abgenutzt, angegammelt, mit Blut und Dreck verschmutzt. Die Anspielungen auf die traditionsreiche Kulturgeschichte des Arztes und Apothekers kann man in der Verwendung von symbolbeladenen Heilkräutern oder metallischen Elementen, wie Schwefel, Kupfer, Silber und Zink sowie in der Benutzung von verformbaren organischen Stoffen erkennen.5

„Was ich praktiziere, ist ohne weiteres auf die Welt der Medizin zu übertragen“ Joseph Beuys (1972)

Honigpumpe am Arbeitsplatz

1977 präsentiert Joseph Beuys auf der Dokumenta 6 in Kassel eine Honigpumpe, die 150 kg Honig durch 173 Meter Schläuche durch Räume der Dokumenta pumpte, in denen ein 100-tägiges Diskussionsforum mit Beuys stattfand. Mit der Honigpumpe wollte er die Bedeutung der Freien Universität als Motor für den gesellschaftlichen Blutkreislauf sichtbar machen.

Am 23. Januar 1986 stirbt Joseph Beuys mit 64 Jahren in seinem Atelier in Düsseldorf nach einer Entzündung des Lungengewebes an Herzversagen.

1 https://www.daskreativeuniversum.de/joseph-beuys-biografie/
2 https://pinakothek-beuys-multiples.de/joseph-beuys-biographie/?lang=de
3 DEUTSCHES ÄRZTEBLATT Heft 8 vom 24. Februar 1972
4 https://www.aerzteblatt.de/archiv/51371/Axel-Hinrich-Murken-Liebhaber-der-Kunst
5 https://www.researchgate.net/publication/305073418_Beuys_und_die_Medizin_-_Heilkrafte_der_Kunst

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Antje Wenig

Über die Autorin:

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