Gesund am Arbeitsplatz – Auch abseits von Corona

Von 5. August 2020Allgemein

An einem normalen Tag, in einer deutschen Stadt greift sich Herr Michael Fischer mit einem leicht schmerzerfüllten Gesicht an den Rücken. Seit seinem Bandscheibenvorfall vor drei Jahren, welcher aufgrund einer jahrelangen falschen Sitzhaltung zustande kam, fällt ihm die tägliche Büroarbeit zusehends schwerer. Hinzu kommt, dass sein Telefon aufgrund des Krankheitsausfalls von Frau Schmidt, seiner Kollegin und Sitznachbarin, unentwegt klingelt sowie sein E-Mail-Postfach überquillt. Um das Arbeitspensum dennoch einigermaßen in Griff zu bekommen, schlingt Herr Fischer in seiner Mittagspause einen Schokoriegel in sich hinein und beantwortet eine E-Mail nach der anderen. Hierbei wird er stets begleitet von einem stetig zwickenden Schmerz im Rücken.

Ein gesunder Arbeitsmarkt?

So oder so ähnlich sieht der Arbeitsalltag von Millionen Arbeitnehmern in Deutschland aus. Dies zeigt auch eine branchenübergreifende Befragung der Hans-Böckler-Stiftung unter Betriebs- und Personalräten, laut der die Arbeit ihrer Mitarbeiterschaft vor allem durch terminlichen Druck sowie einer Arbeitsintensivierung geprägt ist.1 Diese Einschätzung deckt sich ebenfalls mit der subjektiven Selbstwahrnehmung der Arbeitnehmer hinsichtlich ihrer Arbeitsbedingungen, wie eine Befragung von Eurofound belegt.2 Insbesondere psychische Erkrankungen befinden sich seit 2008 auf einem negativen Höhenflug3 und rangieren nach Muskel-Skelet-Erkrankungen und des Bindegewebes auf Platz zwei der dominierenden Erkrankungen hinsichtlich Fehlzeiten.4 Dabei ist seit langem bekannt, dass nicht nur körperliche Belastungen am Arbeitsplatz, sondern ebenso dauerhafter psychischer Stress in eine Reihe schwerwiegender Erkrankungen wie z. B. Burn-Out führen kann.

Betrachtet man den Krankenstand in der Bundesrepublik im Zeitverlauf, erkennt man, dass seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2007 wieder ein kontinuierlicher Anstieg zu verzeichnen ist. Im Jahr 2018 lag er laut statistischem Bundesamt bei 10,6 Arbeitstagen, im Vergleich dazu betrug er 2007 „nur“ 8,1 Arbeitstage.5 Dieser Umstand ist höchstwahrscheinlich auf die vorzeitig stabile Wirtschaftslage Deutschlands zurückzuführen und den sich damit eröffnenden schnellen Arbeitsplatzwechsel. Denn in wirtschaftlichen Schwächephasen neigen die Menschen verstärkt dazu sich weniger krank zu melden, aufgrund der Furcht vor einem potentiellen Jobverlust. Zusätzlich spielt der Effekt des demografischen Wandels in diese Entwicklung hinein, da mit höherem Alter meist stärkere Gebrechen einhergehen.

Herr Personaler, was machen wir denn da?

Arbeitgeber sind gut darin beraten, ihre Mitarbeiter dazu zu motivieren sich gesund und fit zu halten, da das exemplarisch gezeichnete Szenario von Herr Fischer Unternehmen im Nachgang durch einen längeren Krankheitsausfall mehr Kosten als Nutzen bescheren. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin beziffert den Schaden für das Jahr 2018 durch volkswirtschaftliche Produktionsverluste wegen Arbeitsunfähigkeit auf rund 85 Milliarden Euro.4 Im Schnitt werden die Kosten für einen Krankheitstag auf 400 bis 500 Euro geschätzt, jedoch unterscheiden sich die tatsächlichen Kosten je nach Rahmenbedingungen des Unternehmens.6

Eine Senkung der Fehlzeiten erscheint abseits ökonomischer Aspekte vor allem aus gesundheitlicher und organisatorischer Sicht erstrebenswert.

Insbesondere Personalabteilungen widmen sich in den letzten Jahren verstärkt dem Problem steigender Fehlzeiten und deren Senkung durch die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagement. Dabei umfasst das betriebliche Gesundheitsmanagement zwei Perspektiven, zum einen die Arbeitsbedingungen und -organisation gesundheitssteigernd zu konzipieren sowie zum anderen die Mitarbeiter zu gesundheitsbewussterem Verhalten zu ermutigen.7 Die Möglichkeiten an betrieblichen Gesundheitsleistungen sind vielfältig und schier unendlich. Oftmals verfallen Personalverantwortliche leider in die Falle nach dem Gießkannenprinzip Maßnahmen wie kostenlose Sportkurse, vegetarische Gerichte in der Betriebskantine, betriebliche Krankenversicherung u.a. zu implementieren, ohne einen Blick auf ihre Klientel oder gar die Arbeitsorganisation zu werfen. Modernes Gesundheitsmanagement orientiert sich indes an den Bedürfnissen seiner Kunden, den Mitarbeitern, und bezieht sie aktiv bei der Ausgestaltung mit ein. Denn Sie wissen genau wie Arbeitsprozesse besser gestaltet werden können und welche Gesundheitsleistungen sie auch wahrnehmen wollen. Erst dann treten auch die gewünschten Effekte wie Produktivitätserhöhungen, geringere Kosten bei der Lohnfortzahlung, Senkung der Mitarbeiterfluktuation, seltener Überstundenaufbau durch Vertretung von kranken Kollegen u.a. ein.7 Das betriebliche Gesundheitsmanagement war lange Zeit ein Nischenthema im Personalmanagement, durch die rasanten Veränderungen in der Arbeitswelt dürfte seine wachsende Bedeutung allerdings ungebrochen bleiben. Im Fall von Herr Fischer hätten bereits präventive Gesundheitsleistungen wie ergonomisches Mobiliar, ein Kurs für Rückenübungen im Büro sowie eine verbesserte Arbeitsorganisation die Arbeitssituation deutlich entlasten und seinen Bandscheibenvorfall vorbeugen können.

1 Ahlers, Elke (2016): Arbeit und Gesundheit im betrieblichen Kontext – Befunde aus der Betriebsrätebefragung des WSI 2015, https://www.boeckler.de/pdf/p_wsi_report_33_2016.pdf, S. 5.
2 Eurofound (2015): Sechste Europäische Erhebung über die Arbeitsbedienungen 2015, https://www.eurofound.europa.eu/de/data/european-working-conditions-survey, Aufgerufen: 03.03.2020.
3 Meyer, Markus; Wenzel, Jenny; Schenkel, Antje (2018): Krankheitsbedingte Fehlzeiten in der deutschen Wirtschaft im Jahr 2017, https://www.wido.de/fileadmin/Dateien/Dokumente/Publikationen_Produkte/Buchreihen/Fehlzeitenreport/wido_pra_fzr_2018_krankheitsbedingte_fehlzeiten.pdf, S. 1.
4 Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (2020): Volkswirtschaftliche Kosten durch Arbeitsunfähigkeit 2018, https://www.baua.de/DE/Themen/Arbeitswelt-und-Arbeitsschutz-im-Wandel/Arbeitsweltberichterstattung/Kosten-der-AU/pdf/Kosten-2018.pdf?__blob=publicationFile&v=3, S. 1f..
5 Statistisches Bundesamt (2020): Krankenstand, https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Qualitaet-Arbeit/Dimension-2/krankenstand.html, Aufgerufen: 04.08.2020.
6 Heidenreich, Thomas (2018): Wie sie ihre Fehlzeiten besser steuern können, https://sanosense.de/blog/serien/wie-sie-ihre-fehlzeiten-besser-steuern-koennen/, Stand: 28.05.2018, Aufgerufen: 03.03.2020.
7 Klein, Renate (2020): Betriebliches Gesundheitsmanagement, https://www.perso-net.de/rkw/Betriebliches_Gesundheitsmanagement, Aufgerufen: 03.03.2020.

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Über den Autor:

Leo Mamajew ist als Human Resource Manager seit 2019 bei m:werk. Bevor er in die Welt der Kommunikationsagenturen eingetaucht ist, studierte er Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit einem interdisziplinären Fokus auf moderne Personalarbeit und sammelte Erfahrungen als Personalreferent in der Finanz- und Gastronomiebranche.

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