Der große Hype um Cannabidiol

By 3. März 2020Allgemein

In den letzten drei Jahren hat kaum ein Produkt einen solchen Image-Zuwachs erreicht wie Cannabis. Durch die Hippie-Bewegung der 60er Jahre war Cannabis noch als Droge bekannt. Heute erfreuen sich einige bestimmte Wirkstoffe der Pflanze wieder großer Beliebtheit. Das Zauberwort lautet Cannabidiol (CBD). Ob in Kosmetikartikeln oder in Schokolade, als Öl oder Extrakt – CBD findet man mittlerweile in Supermärkten, Drogerien oder in CBD-Stores. Sogar Haustierbesitzer greifen mittlerweile für die Behandlung ihrer tierischen Freunde auf CBD-Öl zurück. Aber wie nützlich können solche Produkte tatsächlich sein?

Was steckt drin?

Cannabidiol ist einer der Hauptwirkstoffe der Cannabispflanze und wird aus deren Fasern gewonnen. Ein weiterer Hauptwirkstoff der Pflanze ist das ∆-9-Tetrahydrocannabinol (THC).1 THC und CBD gehen eine Bindung mit den CB1– und CB2-Rezeptoren des endogenen Cannabinoidsystems im menschlichen Körper ein, CBD wirkt hier als indirekter Antagonist bei bereits vorhandenen Agonisten. Zudem reagiert Cannabidiol mit einer Reihe weiterer Rezeptoren, wobei der Wirkmechanismus bisher allerdings noch nicht im Detail geklärt ist.2 Das THC ist auch für die meisten der bekannten (psychoaktiven) Wirkungen von Cannabis verantwortlich. CBD hingegen agiert bei vielen Prozessen als Antagonist des THC und wirkt somit nur schwach psychoaktiv. Vorausgesetzt der THC Gehalt liegt bei maximal 0,2 %, fallen CBD-haltige Erzeugnisse nicht unter das Betäubungsmittelgesetz und gelten als verkehrsfähig.1

Arzneimittel und Lifestyle-Produkt

CBD wird unter anderem eine entzündungshemmende, antiepileptische und angstlösende Wirkung nachgesagt.1 Tatsächlich wird es als konzentrierte Lösung in der Epilepsietherapie angewandt und darf in der EU mittlerweile sogar für Kinder verschrieben werden.2 Auch in Kombination mit THC findet CBD Anwendung bei der Behandlung von Multipler Sklerose induzierten Spastiken.3

Allerdings mussten die Wirkstoffe in solchen Arzneimitteln in Zulassungsverfahren für wirksam befunden werden und der Gehalt ist standardisiert. Die Dosierung von CBD in Lebensmitteln ist im Vergleich zu der Dosierung in Arzneimitteln sehr wechselhaft. Hier wird in den meistens Fällen CBD-Öl verarbeitet, welches durch seine Konzentration auf eine geringe Menge einen höheren CBD-Gehalt aufweist und nicht verschreibungspflichtig ist, solange keine medizinische Wirkung beworben wird.4

Der beworbene Effekt der „Beruhigung“ wird von den meisten Herstellern nur selten genauer definiert. Aus welchem Grund genau CBD-haltige Kaugummis regulären Kaugummis vorgezogen werden sollten, oder weshalb eine Schokoladentafel mit 18mg CBD besser oder schlechter ist als eine Tafel mit 12mg CBD, wird dem Verbraucher nicht erklärt.5,6 Das Bundesamt für Verbaucherschutz und Lebensmittelsicherheit schreibt hierzu: „Beim Inverkehrbringen von Lebensmitteln (und somit auch von Nahrungsergänzungsmitteln) ist zu beachten, dass die für die Herstellung verwendeten Inhaltsstoffe nicht aufgrund ihrer pharmakologischen Wirkung als Arzneimittel einzustufen sind. Die Arzneimitteleigenschaft von Erzeugnissen mit dem Zusatz von CBD ist im Einzelfall zu prüfen. Arzneimittel gehören gemäß Artikel 2 Absatz 2 Buchstabe d der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 nicht zu den Lebensmitteln. Diese Erzeugnisse wären folglich als Nahrungsergänzungsmittel nicht verkehrsfähig“.7 CBD-haltige Produkte, die eine vergleichbare Wirkung wie CBD-basierende Arzneimittel haben, wären demnach gar nicht zugelassen. So lässt sich auch schwer nachvollziehen wann eine Anwendung von CBD überhaupt sinnvoll ist, wenn nicht aus medizinischen Gründen. Sonst könnte es schließlich auch über den Hausarzt verschrieben werden. Dass sich hierbei durch cannabidiolhaltige Lifestyle-Produkte ein spürbarer Nutzen bewirken lässt ist somit nicht zu erwarten.

1 Grotenhermen, Berger & Gebhardt. 2015. Cannabidiol (CBD): Ein cannbishaltiges Compendium. Solothurn: Nachtschatten Verlag
2 https://www.ptaheute.de/index.php?id=4930 (letzter Zugriff: 19.02.20)
3 https://www.ptaheute.de/index.php?id=4930 (letzter Zugriff: 19.02.20)
4 https://hanfverband.de/Cannabidiol-CBD-als-Medizin
5 https://hanf-im-glueck.shop/produkt/euphoria-cannabis-kaugummi-mit-cbd/
6 https://hanf-im-glueck.shop/produkt/euphoria-cannabis-schokolade-12-18mg-cbd/
7 https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/04_AntragstellerUnternehmen/13_FAQ/FAQ_Hanf_THC_CBD/FAQ_Cannabidiol_node.html

Wenn Sie mehr über m:werk erfahren möchten, sprechen Sie uns gerne jederzeit an.

Unverbindliche Anfrage

Über den Autor:

Niklas Valder ist seit einem halben Jahr bei m:werk und im Consulting tätig. Während seinem dualen Studium Gesundheitsmanagement in Köln entdeckte er schnell seine Begeisterung für die Healthcare Communication und beginnt nun in der Agenturlandschaft Fuß zu fassen.

Haben Sie Fragen zum Artikel?

Sprechen Sie uns gerne an!

m:werk Healthcare Communication ist als Healthcare- und Pharma-PR-Agentur seit 2000 für Unternehmen der pharmazeutischen Industrie, der Medizintechnik und anderer Healthcare-relevanter Branchen tätig.

Fundament für Beratung und Maßnahmenentwicklung im Rahmen von Kommunikations- und PR-Konzepten ist die datenbasierte Methodik der empirischen Sozial- und Marktforschung. Sie wurde für kommunikative Fragestellungen in der Healthcare-PR, insbesondere des dort verorteten Marketings, adaptiert. Im Kern werden regelmäßig Facharzt- und Patientengruppen repräsentativ und detailliert über ihr aktuelles und vermutet künftiges Informations- und Kommunikationsverhalten befragt. So erhalten wir empirisch-gestützt eine aktuelle, valide, quantitative Daten-Grundlage für den zielgerichteten Budget-Einsatz und für eine präzise crossmediale Gewichtung im jeweiligen Facharzt- oder Patientensegment.

Weiter ergänzen wir diesen Daten-Pool durch qualitative Befragungen (Telefon und online) unter Meinungsbildnern, Klinikern und niedergelassenen Ärzten der verschiedenen Facharztgruppen bzw. Patienten bestimmter Indikationsbereiche.